So zockt Ryan Air ab

So zockt Ryan Air ab

Icon 26. Juni 2017
Icon vonHS Serviceteam

Ein Bericht in der ARD zeigte, welche gefährliche Folgen die herrschende „Geiz-ist-Geil“-Mentalität in der Luftfahrt hat. Vor allem Ryanair arbeitet demnach am Rande der Legalität >>>

Für Billigpreise bietet Ryanair Flugsitze an – und scheffelt dennoch jedes Jahr riesige Gewinne. Die Methoden, mit denen der irische Billigflieger dabei vorgeht, zeigte  ARD in ihrer „Story im Ersten“. Was dabei herauskam, gleicht einem Krimi: Ryanair führt demnach mit einem ausgeklügelten Geschäftsmodell nicht nur eine zuvor funktionierende Branche in den Ruin, sondern arbeitet mit einem äußerst verschachtelten Modell aus Personaldienstleistern, Pilotenfirmen und sogenannten „Betriebsstätten“.

Die Dummen sind dem ARD-Beitrag zufolge nicht nur die Piloten, die nur dann bezahlt würden, wenn sie wirklich im Cockpit sitzen. Offenbar zockt der irische Billigflieger auch den Staat und damit die Steuerzahler ab. Dazu lässt der Film Arbeitsrechtler und Luftfahrtexperten zu Wort kommen.

Erst kürzlich habe auch die Staatsanwaltschaft Koblenz ein Ermittlungsverfahren gegen vier Ryanair-Manager eröffnet (wir berichteten). Und auch in Frankreich und Großbritannien haben der Reportage zufolge inzwischen Staatsanwälte, Steuerbehörden und Sozialversicherungsträger das Geschäftsmodell der Iren im Fokus.

Kranke Piloten

Aus Piloten, die in Deutschland wohnen, mache Ryanair freie irischer Unternehmer. Für diese gelte das deutsche Arbeitsrecht dann nicht, das heißt, Kosten für Krankenkasse und Sozialabgaben fallen nicht an. Zu Hunderten seien diese Firmen in Büros „beheimatet“, in denen in der Realität jedoch nur einige Steuerberater tätig seien.

Und weil bei Krankheit nicht gezahlt werde, sollen sich Piloten auch dann ins Cockpit setzen, wenn sie eigentlich nicht arbeitsfähig seien – um weiterhin Lohn zu erhalten. In der ARD-Doku erzählt dies ein ehemaliger Pilot des Billigfliegers. Kranke Flugkapitäne allerdings stellten für die Flugsicherheit eine enorme Gefahr dar, sagt dieser.

Wenig Sprit an Bord

Änderte Ryanair bei Gesetzesänderungen ihr Beschäftigungsmodell bislang immer sehr rasch, erhöht sich der Druck auf die Iren nun. Die beiden Personalvermittler Brookfield und Mc Ginley Aviation, über welche die Billig-Airline die Piloten-Verträge abschließen lässt, scheinen nicht mehr mitspielen zu wollen. Sie haben – zumindest der ARD-Dokumentation zufolge – erstmals gegenüber der Staatsanwaltschaft Ryanair der Scheinselbstständigkeit bezichtigt.

Ryanair weist in einer Stellungsnahme alle Aussagen in der Sendung als falsch zurück. Die Airline sei an den Börsen von Dublin, London und New York notiert und halte sich an irisches und EU-Recht. Zudem hätten Piloten die Möglichkeit, ihre Krankheitstage innerhalb von 365 Tagen nachzuarbeiten. Auch sei man nicht Gegenstand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz.

Alles nur Gewerkschafts-Propaganda?

Eddie Wilson, Chief People Officer bei Ryanair, schreibt: „Dieses ARD-Programm entbehrt jeder Grundlage und war lediglich ein Mittel für die gescheiterten Piloten-Gewerkschaften der Lufthansa, um von ihren ständigen Streiks sowie den Lohn- und Arbeitskürzungen abzulenken.“ Mit der Staatsanwaltschaft Koblenz werde bei deren Ermittlungen „zusammengearbeitet“, so Wilson.

Arbeitsrechtler und Steuerexperten kritisieren die Fluggesellschaft allerdings seit langem. Sie sehen diese knapp an der Grenze der Legalität agieren. Nicht allein die angeprangerte Ausbeutung des Personals steht im Fokus. Auch soll Ryanair Piloten anweisen, möglichst wenig Sprit zu tanken: Die Sendung berichtet über Fälle, in denen Ryanair-Piloten Notrufe absetzten, weil sie sofort landen mussten. Auch dies weist der Billigflieger zurück.

 

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